Selbstbestimmt leben

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Echtes sharing unterstützt ein selbstbestimmtes Leben, denn der Zugang zu Ressourcen bestimmt über unsere Möglichkeiten.

Das uralte Prinzip der Allmende (Gemeinschaftsbesitz) kann heute dank digitaler Werkzeuge einfacher denn je wieder zum Tragen kommen.

Neulich wurde ich gebeten, für eine Zeitschrift in Berlin einen Artikel über selbstbestimmtes Leben zu schreiben. Darin legte ich den Schwerpunkt auf den Aspekt der Selbstliebe und das Entwickeln von Perspektiven für das eigene Leben.

Als ich den Text fertiggeschrieben hatte, fiel mir auf, dass es darin um die „inneren“ Voraussetzungen ging, also diejenigen Aspekte, die mit der Persönlichkeit und deren Fähigkeiten zu tun haben. 

Doch es gibt natürlich auch äußere Bedingungen, die ein selbstbestimmtes Leben erleichtern. Im Allgemeinen stehen diese sogar im Vordergrund. 
Oft sind sie sogar geradezu notwendig, wenn man zum Beispiel an Wohnungen, Mobilität, sauberes Wasser und Nahrung denkt.

Ich möchte hier unter anderem über die Kluft sprechen, die in der Gesellschaft in Bezug auf den Zugang zu wertvollen Ressourcen herrscht. Es ist meist die Kluft, die auch den Unterschied zwischen arm und reich beschreibt.

Es soll hier aber nicht im Mittelpunkt stellen, wie ungerecht das alles sein kann und wie unschön es sich anfühlt, von attraktiven Möglichkeiten ausgeschlossen zu sein.

Es soll um Lösungen gehen, denn Probleme zu lösen gehört zum „täglich Brot“ ernsthafter und leidenschaftlicher Entrepreneur:innen.

Beginnen möchte ich mit der Idee der Allmende, dem interessanten und überaus praktischen und sozialen Phänomen des gemeinschaftlichen Besitzes.

Bevor die Ökonomie sich von der Kunst, der Haushaltsführung (Oikos = Haus, Nomos = Gesetz) entfernte und die eher dunklen Seiten Kapitalismus entfaltete, hatte die Wahrung des Gemeinwohls in vielen Gesellschaften einen sehr hohen Stellenwert. 

Der Begriff Allmende entspringt aus dem mittelhochdeutschen Wort „al(ge)meinde“ und meinte ein gemeinsam genutztes Stück Flur oder Land. Unverkennbar darin enthalten sind unsere heutigen Wörter Gemeinde und Allgemeinheit und diese leiten über zur Gemeinschaft und dem Gemeinsamen.

Wir befinden uns hier also in der Schnittmenge zwischen dem Sozialen und dem Bewirtschafteten, zwischen Gemeinschaft und Individualität. Gerade hier liegt eine enorme Kraft verborgen, die in der modernen Gesellschaft zu wenig aktiviert und genutzt wird.

Die Standardprozesse amtierender Wirtschaftsmodelle sind sehr stark auf Individualisierung geeicht und lenken unsere Aufmerksamkeit immer wieder von dem höchst wirksamen und wohltuenden Gedanken der Gemeinschaft hin zu den Verlockungen des individualisierten Besitzes.

Die großen Player der Sharing-Economy airbnb, Uber, grover, getaround und andere haben den ursprünglichen Gedanken der gemeinschaftlichen Nutzung und des Teilens in ein privatwirtschaftlich arbeitendes Gut verwandelt.

Infolgedessen hat sich der Begriff des sharing inhaltlich vom „teilen“ in „vermieten“ transformiert, ohne dass dieses irgendwo Aufsehen erregt hat.

Der Komfortgewinn durch die digitalen Werkzeuge hat uns gegenüber der Tatsache blind werden lassen, dass damit ein wertvolles Gut verschwunden ist.

Das ist nicht nur schade, sondern geradezu tragisch, denn mit diesem Trend verschwindet auf schleichende Weise ein Stück sozialer Qualität des Gemeinschaftlichen.

In meinem früheren Artikel „Individuum und Gemeinschaft“ (3. Oktober 2022, Sharepar Blog) schrieb ich über die gegenseitige Bedingtheit beider Qualitäten.

Tatsächlich ist das Individuum in die Gemeinschaft eingebettet, der es angehört.

Aus einer anderen Perspektive heraus aber besteht die Gemeinschaft aus eben diesen Individuen. Sie sind Bausteine der Gemeinschaft und sie verhalten sich zur dieser ein wenig wie das Wasser zum Meer. 

Man kann das Wasser in ein Glas oder eine Flasche füllen, aber dann wird es weitgehend kraftlos.
Ohne das Meer wirkt es vereinsamt und kennt seinen Zusammenhang mit seinem Ursprung nicht mehr.
Auch das weite Meer existiert nicht aus sich selbst heraus. Es ist das Produkt aus vielen kleinen Mengen Wassers. 

Wir sollten also auch die Bedeutung des Individuums für die Gemeinschaft nicht unterschätzen und alles nur von der Gemeinschaft erwarten.
Es ist ein stetes Geben und ein Nehmen, bei dem beide Seiten profitieren und dabei gilt es den Missbrauch zu vermeiden.

Doch zurück zum selbstbestimmten Leben, bei dem es auch um den Zugang zu Ressourcen geht, die zum Teil zu groß und kostspielig sind, dass sie die Möglichkeiten und das Budget einzelner Menschen und auch Familien übersteigen.

In den Ballungszentren werden Autos inzwischen vielen Menschen zur Last und der öffentliche Nahverkehr oder das Fahrrad übernehmen dessen Funktion. 

Die Stadt Kopenhagen beispielsweise ist hier sehr weit vorn und treibt die Fahrradmobilität stark voran, was sich auf die Lebensqualität im öffentlichen Raum enorm positiv auswirkt.

Auch der Umgang zwischen Autofahrer:innen und Radfahrer:innen scheint hier weitaus friedlicher zu sein, als in deutschen Großstädten. 

In Kopenhagen findet bereits ein Wandel zum Guten statt und auch der öffentliche Raum wird wieder mehr als Gemeingut betrachtet, der allen und nicht nur dem Auto gehört.

Wie sehr Zugang auch eine Frage des Wohlstands ist, lässt sich allerorten spüren und beobachten. Das betrifft Individuen genauso wie Gemeinschaften und ganze Länder. Probleme gibt es auch dort, wo Gemeingüter (Wasser, Rohstoffe, Land etc.) privatisiert und der Gemeinschaft entzogen werden. 

Es geht mir hier nicht darum, das Private oder das Individuelle zugunsten des Gemeinschaftlichen zu diskreditieren, sondern auf die Zusammenhänge zwischen beiden und auf ihre gegenseitige Abhängigkeit und Wechselwirksamkeit aufmerksam zu machen.

Wenn also ein selbstbestimmtes Leben in einem Zusammenhang mit dem Zugang zu Ressourcen steht, dann ist es sinnvoll darüber nachzudenken, wie man funktionale soziale Systeme schafft, die den Gedanken des Gemeinschaftlichen stärken und die Gesellschaft wieder mehr zu einem Miteinander bewegt, als dieses in den letzten Jahrzehnten der Fall war.

Wir von Sharepar haben es uns zur Aufgabe gemacht, die gemeinschaftliche Nutzung von Dingen so einfach und leicht wie möglich zu machen.

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